30-Day Music Challenge: Days 11-20

Ich weiß nicht mehr genau, wer mir die #30daymusicchallenge als erstes in die Twitter-Timeline gespült hat, aber jedenfalls hatten schon einige geschätzte Twitterer damit begonnen, als ich mich entschloß, auch daran teilzunehmen. Hier ist die Zusammenfassung der zweiten 10 Tage.

Day 11:  A song that you never get tired of

Lagwagon – Kids Don’t Like To Share

Everything slower than everything else. Lagwagon gehen immer. Direkt aus Isla Vista, CA. Goleta Punks. Aus der Gegend, wo ich selbst gute sechs Jahre gelebt habe. Ihre Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit ist einfach klasse. Eigentlich hätte ich hier das ganze “Hoss”-Album posten wollen, das kann ich immer rauf und runter hören. Aber so sei nun hier der Opener stellvertretend dafür gewürdigt.


Day 12: A song from your preteen years

 George Harrison – Got My Mind Set On You

Das war so ein richtiger Ohrwurm für mich damals so 1987 bzw. 1988 rum. Den musste ich haben, und zwar das ganze Album. Also bin ich in die Musikabteilung vom Müller im Schwabencenter in Augsburg, um mir die Kaufkassette von “Cloud Nine” zu besorgen. War nicht da. Also habe ich mir die erste eigene Vinyl meines Lebens gekauft. I had my mind set on it.


Day 13: One of your favorite 70s songs

Deep Purple – Child in Time

Episch. Schön. Virtuos. Dieser Song hat einfach alles. Deep Purple war mein drittes Konzert damals 1993 auf der Tour anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums im Original-Mark-II-Lineup. Das Shirt habe ich immer noch. The battle rages on, wait for the ricochet.


Dav 14: A song that you would love to be played at your wedding

The Damned – Love Song

“I’ll be the rubbish, you’ll be the bin. I’ll be the paint on the sign, if you’ll be the tin. Just for you, here’s a love song.” Es muss ja nicht immer vor Schmalz triefen, um von ganzem Herzen zu kommen. “It’ll be a lovely day and that’s okay.”


Dav 15: A song that is a cover by another artist

Redd Kross – Yesterday Once More

Und nun die zweite Band von Brüdern aus Hawthorne, CA. Seit ich damals Redd Kross als Vorband der Stone Temple Pilots 1994 im Terminal 1 in Riem gesehen hatte, war ich hin und weg. Eine meiner absoluten Lieblingsbands, die Punk-Powerpop-Alternative-Protogrunge-Veteranen. Das “Phaseshifter”-Album habe ich damals rauf und runter gehört. Dann waren sie auf dem Sampler “If I Were A Carpenter” mit dem wundervollen Carpenters-Cover “Yesterday Once More” vertreten. Was habe ich es gefeiert, sie 2007 nach ihrer neunjährigen Pause im Fonda Theater in Hollywood live wiederzusehen. Und ich bin mit Freuden 2012 extra nach Berlin, um ihr einziges Deutschlandkonzert der Tour zu sehen. Gerne wieder immer. They’re back again just like a long lost friend, all the songs I loved so well.


Day 16: One of your favorite classical songs

Franz Schubert – op. 142 D 935 Impromptu No. 2

Meine Mutter hat dieses Stück in  für sich selber auf dem Klaiver einstudiert, weil ihr Vater dieses früher immer gespielt hat. Ich habe meinen Opa nie kennengelernt, weil er allzufrüh verstarb, aber ich kenne dieses wundervolle Klavierstück, was ich dann auch immer irgendwie mit ihm verbinde. Was für eine freudige Überraschung, als neulich Radu Lupu seine wunderbar zarte, sanfte Interpretation auf seinem Konzert im Herkulessaal als Zugabe gab.


Day 17: A song that you would sing a duet with on karaoke

Mark Knopfler – Sailing to Philadelphia

Das Album “Sailing to Philadelphia” ist eh ein klasse Album vom Mark Knopfler. Aber das gleichnamige Duett mit James Taylor über Mason & Dixon, die im 18. Jahrhundert die südliche Grenze von Pennsylvania vermessen haben und damit die berühmt-berüchtigte Mason-Dixon-Line zogen, hat für mich auch immer eine persönliche Bedeutung, da ich ja 1998 zum Studieren nach Philadelphia ging. Außerdem kann man Mark-Knopfler-Lieder gut Karaoke singen, auch wenn man nicht singen kann; man muss ja nur ein bisschen ins Mikro nuscheln.


Day 18: A song from the year that you were born

The Ramones – I Wanna Be Sedated

Als ich mir Gedanken über dieses Thema machte, hatte ich schon schlimme Befürchtungen, da es ja die große Diskozeit war, sie hatten ihren Surfboards und gingen in die Diskothek. Aber manche Leute konnte nicht bleiben, sie mussten sich losreißen. So wie Sheena. 1, 2, 3, 4 …


Day 19: A song that makes you think about life

Ian Fisher – Invisible Cities

Meine allererste Begegnung im Ian Fisher war im Residenztheater. Er hatte die Musik der Shakespeare-Inszenierung “Was ihr Wollt” zu verantworten und spielte mit seiner Gitarre die Rolle des Narren. Und ich lernte seine Musik sehr zu schätzen, die ein bisschen Rock, ein bisschen Folk, ein bisschen Country, aber vor allem viel Tiefgang ist. Seitdem habe ich ihn zweimal live gesehen und höre seine Lieder immer wieder. Und gerade “Invisible Cities” lädt mich immer wieder dazu ein, die Gedanken schweifen zu lassen.


Day 20: A song that has many meanings to you

New Model Army – Green and Grey

New Model Army ist so eine Band, die mich meine frühen und mittleren Teenagerjahre begleitet hat. Das Album “Thunder and Consolation” habe ich rauf und runter gehört. “Green and Grey” hat mich mit seinem Konflikt zwischen ländlicher Jugend und städtischer Erwachsenheit, dem Thema des Weggehens und Nicht-Wiederkehrens und der Melancholie immer wieder auf verschiedene Arten berührt, ob in dunklen oder hellen Zeiten. Und ich verbinde es auch mit einer Autofahrt von Malaga nach Granada durch die Sierra Nevada, als ich auf dem Rücksitz saß und meine Walkman auf Dauerschleife New Model Army spielte, während ich aus dem Fenster auf die Landschaft starrte.

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30-Day Music Challenge: Days 1-10

Ich weiß nicht mehr genau, wer mir die #30daymusicchallenge als erstes in die Twitter-Timeline gespült hat, aber jedenfalls hatten schon einige geschätzte Twitterer damit begonnen, als ich mich entschloß, auch daran teilzunehmen. Hier ist die Zusammenfassung der ersten 10 Tage.

Day 1: A song you like with a color in the title

 Roxanne de Bastion – Red and White Blood Cells

Seit ich Roxanne anno 2013 mal bei einem Wohnzimmerkonzert in München live erlebt habe, mag ich ihre Musik und sie sehr; so sehr, dass ich im Jahr drauf eines ihrer Wohnzimmerkonzerte bei mir zuhause ausgerichtet habe. Tolle Singer-Songwriterin, die einen mit ihrer positiven Einstellung, Unabhängigkeit und Intelligenz ansteckt.


Day 2: A song you like with a number in the title

Bad Religion – 1000 More Fools

Bad Religion ist DIE Punk Band meiner Teenagerjahre und daher schoß mir bei dem Thema direkt wieder die Erkenntnis  in den Sinn: “1000 more fools are being boooorn, every fucking day!”.


Day 3: A song that reminds you of summertime

The Beach Boys – Surfin’ USA

Die erste Band von Brüdern aus Hawthorne, CA, die in dieser Liste auftaucht, hat den Surfsound und damit auch den Sommersound der 60er Jahre geprägt und ist in dieser Kategorie somit eindeutig, gerade für mich als adoptierten Santa Barbarian. Wenn doch nur jeder einen Ozean hätte, überall in den USA.


Day 4: A song that reminds you of someone you’d rather forget

Alan & Denise – Rummenigge

Hau ab, Kalle! Ernsthaft. Keine Lust mehr auf deinen Egotrip und deine Großmannssucht beim FC Bayern.


Day 5: A song that needs to be played loud

Motörhead – Ace of Spades

Everything louder than everything else. Und davon das bekannteste Lied. Rest in Peace, Lemmy.


Day 6: A song that makes you dance

Rednex – Cotton Eye Joe

Durfte auf keiner Party fehlen, als ich 16 war, und bringt mich unweigerlich und jederzeit immer zum Tanzen. If only it hadn’t been for Cotton Eye Joe.


Day 7: A song to drive to

Busta Rhymes – Turn it Up/Fire it Up (Remix)

Busta Rhymes. Whoohah! Der Remix war als Singleauskopplung besser als das Original, v.a. auch deswegen weil er als Sample/Beat die Titelmelodie von “Knight Rider” verwendet hat. Und wer stellt sich nicht gerne vor, als säße er gerade in K.I.T.T., wenn er am Steuer seines 75-PS-Golf sitzt?


Day 8: A song about drugs or alcohol

The Pogues – Streams of Whiskey

Last night as I slept, I dreamt I met with Behan … welche Band könnte mehr zum Thema passen als die Pogues mit ihrem Sänger Shane MacGowan? Und man möchte mit ihnen durch die Welt driften, wohin der Wind einen bläst, aber v.a. dorthin, wo Ströme von Whiskey fließen.


Day 9: A song that makes you happy

Dire Straits – Walk of Life

Ich halte es für schlicht unmöglich, diesen Song zu hören und danach nicht gut gelaunt zu sein. Bei mir geht es schon los, sobald das Keyboard am Anfang ertönt. Woohoo.


Day 10: A song that makes you sad

Dead Can Dance – The Wind that shakes The Barley

Damals, 1994, als MTV noch hauptsächlich Musik gezeigt hat, sah ich das Unplugged mit Dead Can Dance und war verzaubert von ihrer Musik, aber v.a. von Lisa Gerrards Stimme. Und ihr a cappella gesungenes Traditional “The Wind that shakes the Barley” hat sich direkt in mein Herz gebohrt. Wie sagte ein irischer Freund mal zu mir: “That’s Irish Soul Music.” I

Danke, Mama! – 30 Jahre Stadion

Meiner eigenen händisch geführten Datenbank nach habe ich bis heute 281 Fußballspiele in 13 verschiedenen Ländern besucht. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, ist das gar nicht mal so wenig und es werden wohl noch einige Spiele und Länder hinzukommen. Das hätte ich mir sicherlich nicht erträumt, als ich zum ersten Mal ein Fußballspiel im Stadion besucht habe, und zwar heute vor 30 Jahren.

Irgendwo fängt jede Geschichte an, und die Geschichte von meinen Stadionbesuchen beginnt am 20. September 1986. An diesem Tag war ich zum ersten Mal im Stadion bei einem Fußballspiel. Es war die Partie des 7. Spieltags der Saison 1986/87 und es standen sich mein Herzensverein FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach im Münchner Olympiastadion gegenüber. Der FC Bayern war Tabellenführer und es galt, den Platz an der Sonne zu verteidigen.

An dieser Stelle muss ich gestehen, dass ich jetzt nicht behaupten kann, ich wüsste alles noch so, als sei es gestern gewesen. Ich erinnere mich durchaus an den Tag, aber ich glaube eher so an das Gefühl, als an jedes einzelne Detail. Und einiges habe ich mir auch unter Zuhilfenahme der Fotos aus dem dankbarerweise gut bestückten und organisierten Familienalbum zusammengereimt oder wieder zurückgeholt.

Ausführlich Details zum Spiel gibt es im Archiv des Kicker und bei Fussballdaten.de.

Aber zurück zur meiner Geschichte. Also, nachdem ich am Vormittag noch selbst ein E-Jugendspiel für den Kissinger SC absolviert hatte, fuhren wir mit der Familienkutsche nach München, holten meinen 2 1/2 Jahre älteren Cousin ab und fuhren zum Olympiapark München. Das Auto hatten wir dort auf einem der Parkplätze abgestellt.

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Das Zeltdach über dem Olympiapark und den Olympiaturm hatte ich noch jedes Mal bewundert, wenn auf dem Mittleren Ring daran vorbeigefahren waren, jedoch war es ein tolles Gefühl, nun mit dem Wissen daraufzuzugehen, dieses Mal das Herzstück des Ensembles betreten zu dürfen, das Olympiastadion. Meine Mutter hatte Karten für die Haupttribüne besorgt, die auch damals schon nicht billig waren, aber wenn wir schon einmal da waren, dann gönnten wir uns das natürlich auch. Und dann waren wir drin.

Man kann sehr gut erkennen, dass ich den Anpfiff mit einer Mischung aus Anspannung und Vorfreude erwartete. Trikot hatte ich noch keins, denn diese waren damals einerseits gar nicht so leicht aufzutreiben, soweit ich weiß, eigentlich nur an den mobilen Verkaufsständen um das Stadion herum, und andererseits auch nicht billig, glaube ich. Aber im darauffolgenden Jahre 1987 feierten wir meinen Geburtstag im Olympiapark und da bekam ich dann auch mein erstes Bayerntrikot geschenkt.

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Aber vor dem Spiel mussten sich die Spieler natürlich erst einmal aufwärmen. Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung mehr, warum dieser Corso von BMWs auf der Tartanbahn kreiste, aber das war ja irgendwie auch egal. Von unseren Plätzen konnte man sehr gut auf die Südkurve sehen, wo sich seit jeher die treuesten und lautstärksten Fans des FC Bayern versammelten und ihre Mannschaft unterstützten. Es sollte aber noch einmal fast 5 Jahre dauern, bis ich dort einmal wiederfinden würde.

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Beim Einlauf der Mannschaften wurde die Fahnen kräftig geschwenkt und die innere Anspannung stieg enorm. Kapitän Klaus Augenthaler führte die Mannschaft aufs Feld, unter anderem mit meinem damaligen Lieblingsspieler und Helden Lothar Matthäus in der Startelf. Soweit ich mich erinnern kann, gab es damals unter uns fußballbegeisterten Jungs zwei Schulen, was zentrale Mittelfeldspieler. Entweder man vergötterte das Genie des Diego Armando Maradona oder die Dynamik und Wucht des Lothar Matthäus. Bei mir war es letzterer und das ging soweit, dass ich auch so einen Vokuhila haben wollte wie er, und dass mir meine Mutter mal aus einem weißen Adidas T-Shirt mithilfe eines aufgebügelten DFB-Wappens und einer selbst aus Filz ausgeschnittenen Rückennummer 8 mein eigenes Lothar-Matthäus-Trikot gebastelt hatte.

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Die gesamte Aufstellung kann mal auf der Anzeigetafel im Foto unten sehen, aber der Einfachheit halber hier noch einmal ausgeschrieben:

1 Pfaff, 2 Nachtweih, 3 Pflügler, 4 Eder, 5 Augenthaler, 6 Brehme, 7 Wohlfahrt, 8 Matthäus, 9 (Dieter) Hoeneß, 10 (Michael) Rummenigge, 11 Mathy

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Zwei Spielszenen aus der ersten Halbzeit, als die Bayern auf das Tor auf unserer Seite spielten. Wir saßen direkt auf der Verlängerung der Torauslinie. Michael, der “andere” Rummenigge, tritt den Eckstoß rein. Im anderen Foto schlägt Andreas Brehme eine Flanke in den Strafraum. Man sieht, dass das Olympiastadion sehr gut gefüllt war, was damals beileibe keine Selbstverständlichkeit war. Ich war von der Kulisse angemessen beeindruckt.

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An was ich mich noch erinnern kann, war, dass Mittelstürmer Dieter Hoeneß nach einem Kopfballduell im Mittelfeld liegen blieb und behandelt werden musste. Nach einigen sorgenvollen Minuten wurde er gegen Hansi Dorfner ausgewechselt. Aus der Zeitung später erfuhren wir die Diagnose Jochbeinbruch.

Das Spiel ging natürlich weiter. Und dann war der FC Bayern doch noch gegen Ende der ersten Halbzeit durch ein Kopfballtor von Abwehrspieler Hansi Pflügler (45.) nach einer Ecke von Norbert Nachtweih mit 1:0 in Führung gegangen und so ging es einigermaßen guter Dinge in die Halbzeitpause.

Der FC Bayern blieb nach der Pause am Drücker und erhöhte durch einen Doppelschlag von Lothar Matthäus nach einem dynamischen Solo (55.) und Roland Wohlfarth per Kopf nach einer Ecke (58.) auf 3:0. Im Prinzip war das Spiel damit gelaufen, auch wenn Uwe Rahn (68.) noch einmal verkürzte, nachdem er mutterseelen allein auf das Bayerntor zugelaufen war. Kurioserweise erinnere ich mich sehr gut an Uwe Rahn damals, sein weißblondes Haar war kaum zu übersehen, ebenso wie seine Dynamik auf dem Platz. Ich konnte allerdings nicht ahnen, dass er am Ende der Saison Torschützenkönig und Deutschlands Fußballer des Jahres werden würde.

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Bei diesem Foto aus der zweiten Halbzeit weiß ich noch ganz genau, dass ich meine Mutter darum gebeten hatte, ein Foto von Bayerntowwart Jean-Marie Pfaff in Aktion zu machen, den fand ich nämlich total super. Und auch in dieser Szene hält er seinen Kasten sauber.

Und weil das Internet ja manchmal doch ganz nützlich ist, hier ist der Spielbericht aus der Sportschau, den jemand freundlicherweise auf YouTube gestellt hat, auch wenn er sich bei der Betitelung im Endergebnis geirrt hat.

Ich war natürlich überglücklich, ein torreiches Spiel und einen Bayernsieg gesehen zu haben. Das Wetter war fantastisch, das Stadion proppenvoll und die Stimmung wunderbar.

An diesem Tag hatte ich mich nun also noch mehr in den Fußball verliebt, in das Stadionerlebnis. Eine Liebe, die seit nunmehr 30 Jahren besteht und immer weitergeht; sollte nichts dazwischen kommen, gehe ich heute abend zum Heimspiel der Bayern München Amateure gegen die SpVgg Unterhaching in der Hermann-Gerland Kampfbahn.

Vor allem aber hatte ich mich an diesem in das Olympiastadion verliebt. Nicht nur in das ikonische Zeltdach, sondern auch weil es auf ewig der Ort meines ersten Stadionerlebnisses sein wird. Und auch wenn die Arena in Fröttmaning auf vielerlei Weise ein reineres Fußballstadion und in der Logistik durchdachter und praktischer ist, so kann es mir niemals diese Emotionen und Erinnerungen geben, die mir das Olympiastadion gibt. Diese kommen immer hoch, wenn ich dort bin. Heutzutage ist man das ja leider nur zu Konzerte oder solchen Veranstaltungen. Aber dann spüre ich es in meinem Herzen. “Da sind wir damals gegen Gladbach gesesssen, oder hier gegen Uerdingen 1989, oder die Meisterfeier 1987 mit dem dem Abschied von Udo Lattek.”

Und dafür muss ich mich vor allem einem Menschen bedanken: meiner Mama. Sie hat es damals auf sich genommen, uns dorthin zu bringen und sie hat auch mit ihrer Nikon-Spiegelreflex diese tollen Bilder geschossen, so dass ich hier heute in den Erinnerungen schwelgen kann. Und dafür ganz einfach nur:

Danke, Mama!

Epilog: Das nächste Mal, dass ich mit meiner Mama ein Fußballspiel im Stadion besuchen sollte, war passenderweise fast genau auf den Tag 23 Jahre später am 19. September 2009 beim 2:1 Sieg des FC Bayern München gegen den 1. FC Nürnberg, als ich sie in die Allianz Arena mitnahm.

 

Der ineffizienteste Cooldown

Ich hatte die Probe fertig poliert und schritt mit Laborbuch und Probenbehälter durch die Flure des LRSM. Schließlich wollten wir ja die PPMS möglichst bald runterkühlen und meine Meßreihe beginnen. Mein letztes Jahr im College hatte gerade begonnen und diese Messungen sollten die Basis für meine freiwillige Senior Honors Thesis legen.

Als ich am Sekretariat vorbeikam, wunderte ich mich, warum so viele Leute vormittags denn einen Film auf einem Fernseher guckten. Und dann noch irgend so einen Katastrophenfilm. Mussten die nicht auch arbeiten wie ich? Nach dem ich schon ein paar Schritte am Sekretariat vorbei war, hielt ich inne. Komisch. Vielleicht mal nachschauen, warum alle da rumstanden. Also stellte ich mich in den Türrahmen und blickte genauer auf den Fernseher. Das war kein Film. Das waren Nachrichten. Live.

Keine Ahnung, wie lange ich im Türrahmen stand. Irgendwann hatte ich Walnut Street wieder überquert und war zurück in unserem Labor in DRL. Probe und Laborbuch abgelegt, sofort rauf zum Büro von Jay. Er wusste es auch schon und war frenetisch damit beschäftigt, seine Freunde in New York telefonisch zu erreichen. Er war in der Nähe aufgewachsen.

Ich ging zurück in unser kleines Büro und setzte mich an den Rechner. Zeit vertreiben, eventuell etwas rausfinden. Das Internet funktionierte eher leidlich. Irgendwann kam Jay runter. Was machen wir jetzt? Erstmal etwas zu Mittag essen, irgendwie im Kopf klar werden. Steve, der Doktorand, hatte nach dem wirklich anstregenden Sommer im Labor eine Woche frei, also waren es nur Jay und ich. Wir saßen am Tisch bei den Food Trucks und diskutierten. Was war sicher? Das vierte Flugzeug über Pennsylvania. War Philly das Ziel? In einen Zug steigen und aufs Land rausfahren? Oder weitermachen?

Zurück im Labor. PPMS runterkühlen. NPR hören. Fragen über Fragen. Keine Antworten. Gegenseitige Ermahnungen zur Geduld. Es würde Wochen oder Monate dauern, bis wir Antworten auf diese Fragen kriegen, hörte ich mich sagen.

Nie zuvor und danach nie wieder haben wir so viel flüssiges Helium verbraucht, um die PPMS runterzukühlen, wie an diesem Tag.

Es war der ineffizienteste Cooldown.

Über Twitter als Stammkneipe

Ich bin eigentlich immer gerne auf Twitter gewesen. Twitter ist wie so eine Stammkneipe. Man macht die Tür auf, guckt rein, wer da so ist und eigentlich ist immer jemand da, mit dem man ein Bier trinken kann und ein nettes Schwätzle halten kann. Es entstehen angeregte Diskussion, mehrere andere machen mit. Alles gut, interessant und lustig. Oder man ist erstmal alleine, trinkt ein Bier, liest die Nachrichten in der Zeitung und dann kommt jemand, mit dem man schwätzen kann. Und dann gibt es ja noch die Stammgäste, mit denen man so richtig gut auskommt und die eigentlich fast regelmäßg da sind.

Eigentlich.

Denn leider tauchen viele von den Stammgästen nicht mehr, oder zumindest sehr selten, auf, oft aus nachvollziehbaren Gründen. Und so wird meine Stammkneipe irgendwie leerer. Manche von den Stammgästen sind irgendwie verhärmt oder bitter geworden und man sehnt sich nach den anregenden Diskussionen zurück, die man mit diesen hatte. Aber sie lassen sich nicht mehr aus der Deckung locken. Manche scheißen immer dieselben Witzle und mehr leider nicht mehr. Manche haben sich in Zynismus und Reflexironie geflüchtet, wo einst offener Austausch war. Und so wird meine Stammkneipe auch irgendwie ungemütlicher. Und dann gibt es immer noch so Gäste, die plötzlich auftauchen und Rabatz machen und polemisieren und überhaupt … und dann geht man doch lieber mal wieder nach Hause.

Und dann schaue ich halt nach und nach immer weniger gerne rein. Oft trinke ich nur noch mein Bier und murmele Sachen vor mich hin und möchte mich so gar nicht in ein Gespräch verwickeln lassen. Manche Themen interessieren mich schlicht auch nicht mehr oder sind nur noch ermüdend oder repetitiv für mich. Nur unterbrochen von der immer selteneren Freude, wenn dann doch ein witziges oder anregendes Gespräch entsteht, so wie ehedem.

Warum ich überhaupt noch in die Stammkneipe gehe? Weil ich dort viele gute Freunde kennengelernt habe, die ich auch außerhalb der Stammkneipe sehe und mit ihnen interessante, spannende und alberne Dinge unternehme. Deswegen hänge ich auch an meiner Stammkneipe, die ein bisschen verkommt, aber noch nicht verkommen ist.

Prost.

Warum?

Warum kann ich nicht für mich selber sein, was ich doch manchmal für andere sein kann?

Warum ist mir nichts eingefallen? Warum habe ich keine Lösung gefunden? Warum habe ich es nicht hingekriegt?

Es ist wieder Sturm.

Im Zweifelnbeinturm

Es sind schwierige Zeiten, um meinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Ich möchte ein offener, unvoreingenommener Mensch sein und mit positiver Kraft wirken. Dafür habe ich auch versucht, meinen Schutzschild aus Zynismus und Süffisanz herunterzufahren und so stürzte die Welt über mich und in mich hinein. Daraufhin wurde ich gewahr, dass mir die Möglichkeiten fehlen, diese Welt überhaupt zu durchdringen, von verändern ganz zu schweigen. Ich bin kein Künstler, der in seiner Kunst, sei sie bildend, musisch und des Wortes, die Welt zu bewältigen versuchen kann. Und die Naturwissenschaft ist auch keine große Unterstützung. Und weltverneinender Eskapismus ist auf keinen Fall eine Option, auch wenn er mich in der letzten Zeit mit seinem Sirenengesang lockte. Also zweifelte ich und verzweifelte an der Ohnmacht, nicht einmal eine politische Heimat habe ich mehr, ich hoffe, ich konnte zumindest meine Haltung wahren. Darum schreibe ich jetzt halt wieder in diesen Blog, wenn ich etwas loswerden möchte. Was heißt hier wieder? Vorher habe ich hauptsächlich und sehr selten und unregelmäßig zu konkreten Themen oder Schwerpunkten geschrieben, jetzt lasse ich halt raus, was raus muss.

Ich werde wohl immer zuerst an mir selber zweifeln, grübeln und die Fehler bei mir suchen, weil ich dann das Gefühl habe, ich hätte die Macht, diese zu korrigieren. Ich werde nie einer der Menschen sein, die diese an Arroganz grenzende Selbstsicherheit besitzen, sie hätten die Deutungshoheit gepachtet. Ich weiß ja nicht einmal sicher, ob ich die komplette Deutungshoheit über mich selber besitze.

Ich werde also in der nächsten Zeit verstärkt versuchen, auch konkret zu schreiben, zu Dingen, die mich verstören, mich umtreiben und vielleicht hilft mir diese schriftliche Untersuchung, eine Stimme und einen Weg zu finden, wie ich meinen Ansprüchen an mich selber in unserer heutigen Zeit gerecht werden kann.

Bis dahin, erstmal leise Grüße aus dem Zweifelnbeinturm.