#12von12 im April, oder: Dresden Day(s).

Nach meinem Debüt im März hat es mir auch im April gut reingepasst, wieder bei #12von12 mitzumachen.

Zu Tagesbeginn wurde ich beim Aufwachen zuhause ein wenig davon überrascht, dass es regnete, aber immerhin zeichnete sich beim Blick aus dem Dachfenster ein güldener Streif am Horizont ab. Da mich auch seit dem Frühlingseinbruch in der vorigen Woche die Histamine fest in ihren Klauen, war auch der Regen im übertragenen Sinne ein güldener Streif am Heuschnupfenhorizont.

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Nachdem ich mich frisch gemacht hatte, ging es zur Boulangerie Dompierre um die Ecke, um Reiseproviant zu erstehen, es wurde ein Brioche mit Rosinen und ein halbes Classique mit Rillette de Canard. Nachdem das Ladengeschäft, in dem sich die Filiale befindet, in den vorigen Jahren eher durch wechselnde Pächter und mehr schlecht als recht funktionierende Konzepte (drölfzigste Bäckerei, Sandwichladen, Cafe) hevorgetan hatte, ist mit der Boulangerie Dompierre willkommene Qualität und Konstanz eingekehrt.

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Dann ging es mit der Tram zum Stachus, und zu Fuß geschwind zum Hauptbahnhof, um die Reise nach Dresden zu beginnen. Die Reise ist privater Natur, mein Künstlerfreund Michael aus München, veranstaltet dort am heutigen Mittwoch eine von ihm konzipierte konzertante Lesung, in der er zusammen mit neuer Musik der Komponisten Reiko Füting und Nikolaus Brass abermals die Geschichte “Caliban über Setebos” von Arno Schmidt bearbeitet. Diese ist bereits die dritte Entwicklungsstufe von “Saengers Phall” nach München im September 2014 und New York im Oktober 2015 und ich finde es ein sehr spannendes Projekt. Also nahm ich dies zum Anlass, mir auch einmal Dresden anzuschauen, da ich noch nie dort gewesen war. Von Gleis 15 fuhren wir ab.

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Auf der Zugfahrt hatte ich mit meinen Mitreisenden im Ruhebereich Glück und ich konnte meine Lektüre von James Joyces “Finnegans Wake” fortsetzen. Dabei stieß ich im Kapitel II.1 auf folgenden phänomenalen Satz: “Was liffe worth leaving?” Es ist unfassbar, wie man mit vier Worten soviel Klang und Bedeutung erzeugen kann. Ich war wie weggeblasen. Life, the River Liffey and Everything.

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Die Zugfahrt bis zum Umstieg in Leipzig verlief pünktlich und ereignislos und ich wurde dort auch von der Sonne begrüßt. Leider verließen wir Leipzig mit einer Verspätung von 25 Minuten, da es wohl einen Böschungsbrand an der Zugstrecke gegeben hatte, der erst noch gelöscht werden musste.

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Mit besagten 25 Minuten Verspätung traf ich dann am Dresdner Hauptbahnhof ein, über dem auch die Sonne lachte, was den viertelstündigen Fußweg zur Herberge sicherlich erleichterte. Wobei diese Fußgängerzone mit den aneinandergereihten Einkaufsketten jetzt nicht der Stadtplanerweisheit letzter Schluß sein muss.

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Nachdem ich in meinem altstadtnahen Hotel eingecheckt hatte, beschloß ich eine erste Runde Besichtigungen anzugehen und brach zu Fuß auf. Zuerst ging es um die Ecke zur Kreuzkirche, die von außen noch in altem barocken Glanz, äh, erstrahlt, innen aber schlicht ist. Von größerem Interesse waren für mich die knappen Informationstafel zu ihrere Geschichte, vor allem die des Dresdner Kreuzchors, hatte doch der heutige Mann meiner Cousine einst dort gesungen. Nicht nur das, meine Mutter hatte bereits bei ihrem Besuch in Dresden entdeckt, dass er auf dem Beispielbild auf ebenjenen Informationstafeln zufälligerweise zu sehen ist, und auch ich habe sein Knabenkonterfei schnell entdeckt.

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Dann ging es weiter zur Frauenkirche, deren fürs Barock eher schlicht ausgestatteter Bau durchaus zu gefallen weiß, aber natürlich jemanden, der aus dem katholischen Bayern kommt und zudem erst unlängst die barocken Wunder von Rom begutachten konnte, nicht wirklich überwältigt. Aber kleidsam fürs Stadtbild ist sie allemal.

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Danach spazierte ich über die Bährsche Terrasse, den Theaterplatz und den Postplatz zurück zu meinem Hotel und kaufte im angeschlossenen Einkaufszentrum noch etwas Zimmerproviant ein. Dabei gelang es mir, im ersten Anlauf knallhart am anvisierten Discounter vorbeizulaufen, weil ich wie selbstverständlich nach dem Logo von dessen südlichen Pendant Ausschau gehalten hatte. Dann kurz ausgeruht, mit etwas Brotzeit gestärkt und auf ins Abendprogramm. Leider wurde in der Semperoper an diesem Abend nichts gegeben, aber ich wollte ihr dennoch einen kleinen Besuch abstatten.

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No Oper, no cry, und so hatte ich mir im Vorfeld eine Karte fürs Staatsschauspiel besorgt, um dort dem notorischen Prinzen von Dänemark meine Aufmerksamkeit zu schenken.

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Zur Pause war ich mir noch nicht sicher, was ich von der Inszenierung halten sollte; an sich fand ich die Idee eines Tributekonzerts mit der Band des Hauptdarstellers als Stück im Stück ziemlich clever, war mir aber nicht sicher, ob das Stück nicht in der Auflösung auseinanderkippen würde. Aber über die Pausenaussicht vor der Tür hasch jetzt net maula könna, der Zwingr isch gloi nebadran, woisch.

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Schlußendlich fand ich das Stück gut, aber die Ideen von Regisseur Roger Vontobel stehen und fallen mit der starken Leistung seines Hauptdarstellers Christian Friedel, nicht nur wegen der prominenten Rolle seiner Band. Dabei wurde mir auch wieder bewusst, was für unfassbar starke Ensembles wir zur Zeit an den Münchner Theatern haben. Denn ich ertappte mich während der Vorstellung immer mal wieder dabei, mir vorzustellen, wie es wäre, wäre die eine oder andere Rolle mit einem der mir aus München bekannten Schauspieler besetzt. Dennoch ein gelungener Theaterabend. All dies besprach ich bei einem kleinen Absacker in der Planwirtschaft in der Dresdner Neustadt mit Michael, der sich dort nach einem langen Tag der Proben für “Saengers Phall” an Speis und Trank labte.

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Dann mit der Tram zurück ins Hotel und gschwind ins Bett, denn der heutige Tag steht prallvoll und ganz im Zeichen der kulturellen Erkundung, vom Grüne Gewölbe zu Saengers Phall.

Wer erkunden will, wie die Profis das mit #12von12 machen, schaut am besten bei Draußen nur Kännchen! und der dort beinhalteten Liste nach.